Guide Michelin für Pfadfindergruppen

Was man auf einem Zeltlager für Menüs zaubern kann, bewiesen unsere Pfadfindersippen und -meuten auf dem Sommerlager. Hier der Bericht eines Jury-Mitglieds.

Doch alles fängt mit dem richtigen Einkauf an. Frühmorgens erhielt jede Gruppe ihr Budget, und dann machten sich ein oder zwei Einkäufer je Gruppe auf den Weg zu den umliegenden Märkten. Mit langen Einkaufszetteln ging es los. Dabei bestand die Kunst darin, mit dem knappen Geld auszukommen.

„Braucht ihr nur ein halbes Päckchen Grieß? Wir würden nur die andere Hälfte kaufen, damit unser Geld reicht.“, liefen die Verhandlungen. „Achtung: Die Packung oben im Regal ist viel teurer!“, kam danach die Warnung.

Endlich waren alle Einkäufe beisammen. Zurück auf dem Lager half die ganze Gruppe mit: Gemüse waschen und schneiden, Fleisch würzen, Salate putzen und vieles mehr.

Eine besondere Herausforderung war die Schlagsahne. Noch bevor sie fein geschlagen war, wurde sie zu Butter. Was tun? Zum Glück hatte eine Gruppe zuviel gekauft, und so konnte ein zweiter Versuch gewagt werden – diesmal mit längerer Vorbereitung. Der Geheimtip der Küche bei der heißen Witterung lautete nämlich: „Nehmt eine gut gekühlte Edelstahlschüssel, und setzt außerdem deutlich mehr Sahnesteif zu, als im Rezept steht.“ Es gelang.

So manche Gruppe kochte den ganzen Tag über. Aber was dann präsentiert wurde, war vom Feinsten. Den Auftakt machten die Biber und Wüstenfüchse:

  • Italienischer Salat mit Putenstreifen, Bruschetta oder Omelettschnecken
  • Cordon bleu mit selbstgemachten Spätzle

und dann gleich vier Nachtische – man merkt eben, was für die Gruppen das Wichtigste ist:

  • Stracciatellacremetorte
  • Pfirsich-Maracuja-Pralinen
  • Germknödel
  • Nutella-Mousse

Bereits hier waren die Juroren geneigt, Sterne zu vergeben. Am Ende reichte es für Platz 6.

In dichter Folge ging es mit den Leckereien weiter. Die Gruppen hatten sich alle Mühe gegeben, und die Ergebnisse schmeckten durchweg hervorragend. Ob Gyros, Pfälzer Dampfnudeln, Tiramisu oder Schweinemedaillons mit Semmelknödeln – die Küchen glänzten.

Auch Exotisches kam auf den Tisch: Brigadeiros aus Brasilien.

Die fünf Michelin-Sterne für den Sieger gingen am Ende an die Sippe Kimbern:

  • Grießnockerln, Maultaschen und Flädle in selbstgemachter Gemüsesuppe
  • Frühlingsrollen mit Süß-Sauer-Soße
  • Kohlrouladen mit Schupfnudeln in dunkler Soße
  • Griechische Himbeermousse mit Himbeersoße auf Cantuccini
  • Cronuts auf Mousse au Chocolat mit Orangen-Blaubeer-Soße
  • Lavacake mit Schlagsahne, Karamellsoße und Karamellgitter

Geschmeckt hat es allen. Und um die Leistungen richtig zu würdigen: Alle Speisen wurden nicht in einer gut ausgerüsteten Großküche eines Restaurants, sondern unter den einfachen Bedingungen eines Zeltlagers mit Gaskochern im Freien zubereitet.